Caros Acting Class Junges Schauspiel Ratingen Blog

Acting Class – von „Rent“ bis „Von 8 bis 18 Uhr“
By Caro Streckmann

Frühling 2016
Im März 2016 brachte das Junge Schauspiel Ratingen mit dem Musical „Rent“ seine bislang größte, aufwändigste und vermutlich auch tollste Produktion auf die Bühne.

 

Nach so einem Mega-Projekt brauchten wir alle erst einmal eine kleine Verschnaufpause. Um nach diesem Abenteuer wieder in den Alltag einzutauchen. Um sich darüber klar zu werden, was wir da geschafft haben. Und natürlich um unsere Gedanken auf neue Projekte vorbereiten zu können.
Deshalb ging es auch bald weiter mit unserem Schauspielkurs, wobei wir den Fokus für ein paar Monate erstmal darauf legten, mit Übungen unsere Schauspielkenntnisse zu vertiefen und auf die Probe zu stellen.

Sommer 2016
Nach den Sommerferien startete die „Acting Class“ dann wieder neu: Mit neuer Frische, neuen Mitgliedern und neuen Ideen. Es war auch ein ungewohntes Gefühl, da es einige von uns für ein Studium in den Süden oder in eine Rhein-Metropole oder andere ins Ausland verschlagen hatte. Die Gruppe musste sich neu orientieren und wieder zusammenfinden. Unter anderem durch die Ratinale-Ferien-Workshops gab es aber auch frische Gesichter, die auf uns aufmerksam geworden waren.
In dieser neuen alten Frische ging es dann ans Werk: Mit Schauspiel- und Sprachübungen haben wir uns unserem neuen Thema angenähert: Shakespeare. Der Meister der Dichtkunst sollte in unserem nächsten Projekt gewürdigt werden. Wir wollten das Stück „Ein Sommernachtstraum“ in Angriff nehmen. Da stellte sich dann schnell die Frage: Worum geht es da überhaupt? Wer das Stück schon kannte, versuchte, die Geschichte kurz zusammen zu fassen. Die andern mögen von dieser schnellen Darstellung der Liebes-Irrungen und Wirrungen etwas überfordert gewesen sein. Doch die ersten Leseproben konnten auch bei ihnen für etwas mehr Klarheit sorgen. Als die Rollen verteilt wurden, gab es etwas Verwunderung: Sie wurden doppelt besetzt – eine Neuerung für unsere Gruppe. Das Ziel war es, das Stück besetzungstechnisch nah an den Original-Inszenierungen von Shakespeares Theater-Kompanie zu halten. Und das bedeutet, dass all 21 Rollen von nur sieben Darstellern verkörpert werden. Da das Junge Schauspiel Ratingen zu diesem Zeitpunkt aber aus mehr als sieben Mitgliedern bestand, sollte die Doppelbesetzung dazu führen, dass jeder gleich viel spielen darf und die Chance auf eine (oder mehrere) gute Rolle/n hat. Und so ging es dann los mit den Proben: „Nun rückt, Hippolyta, die Hochzeitsstunde| Mit Eil heran“ Zunächst stand das Textlernen auf dem Programm. Einige von uns kamen hier an ihre Grenzen.

Herbst 2016
Es braucht halt eine Weile, um sich mit der Sprache Shakespeares anzufreunden. Leider hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Textprobleme weiter durchzogen und viele von uns Probleme damit hatten, mit dem Stück und seiner Sprache zurecht zu kommen. Hinzu kamen Klausurphasen und weitere Aspekte, die die Arbeit an dem Stück für einige aus unserer Gruppe erschwerten. Letztlich hat sich gezeigt, dass wir einem Stück von der historischen Tragweite des „Sommernachtstraum“ unter den gegebenen Umständen nicht gerecht werden konnten. Es ist keine leichte Entscheidung, ein Stück, an dem man bereits zu arbeiten begonnen hat, fallen zu lassen. Doch manchmal ist genau das sinnvoll. So auch in unserem Fall.
Dieser Rückschlag war jedoch nicht von langer Dauer. Wir wollten uns nicht darauf konzentrieren, dass das eine Stück nicht geklappt hatte, sondern lieber nach vorne schauen und weiter arbeiten.

Winter 2016/17
„Von 8 bis 18 Uhr“ stand jetzt auf dem Programm, eine Adaption des Filmklassikers „The Breakfast Club“ aus den 80er Jahren. Es geht darin um fünf Schülerinnen und Schüler, die wegen größerer oder kleinerer Missetaten einen ganzen Samstag in einem kleinen Klassenraum nachsitzen müssen. Im Laufe der Zeit konfrontieren die Jugendlichen sich gegenseitig mit ihren Problemen, ihren Beziehungen und ihren Gefühlen. Und der herrische Lehrer, der sie zum Nachsitzen verdonnert hat, stellt ebenfalls eine ganz eigene Herausforderung für sie dar.
Dieses Stück bietet viele Konfrontationen und Möglichkeiten, sich im emotionalen Spiel auszuprobieren und zu verbessern. Ein sehr passendes Stück also für unseren Schauspielkurs.
Die fünf Schüler und ihr Lehrer sind die einzigen Rollen in dem Stück. Das Prinzip des doppelten Ensembles, das bereits für den „Sommernachtstraum“ angedacht war, sollte also auch für dieses Stück beibehalten werden.

Frühjahr/Sommer 2017
Es ging mit großen Schritten auf die Sommerferien zu. Zum Ende des Schuljahrs wollten wir unser Stück ursprünglich zeigen. Leider kamen dann in dieser Zeit aber wieder viele Verpflichtungen auf uns zu. Schulen und Universitäten verlangten einigen von uns wieder recht viel ab. Zudem waren drei Mitglieder des Jungen Schauspiel Ratingen noch in einem weiteren, internationalen Theaterprojekt involviert, dessen Aufführungen – in Deutschland und Frankreich – ebenfalls in diesen Zeitraum fielen. Deshalb beschlossen wir einvernehmlich, das Stück lieber zum Beginn des neuen Schuljahrs zu zeigen. Die Sommerferien würden uns dabei eine gute Gelegenheit bieten, einen intensiven Workshop zu halten, in dem wir uns ganz der Proben zu dem Stück widmen konnten. Dieser musste zeitlich natürlich mit dem restlichen Ferienprogramm des Jugendzentrum Lux abgeglichen werden, unter anderem mit den Ratinale-Film-Workshops. Letztendlich konnten wir jedoch fünf Tage finden, an denen gestritten, gelacht, geschrien und gescherzt werden konnte – alles natürlich auf der Bühne, versteht sich.
Nach dem Intensiv-Workshop wurden die Aufführungstermine festgelegt: Zwei Termine sollte es geben, damit jeder die Gelegenheit hatte, seine Arbeit auf der Bühne im Lux zu präsentieren.

Frühherbst 2017
Am 30. September und 1. Oktober sollte es soweit sein. Jetzt wurde es also ernst. Die Proben wurden hitziger und die Anspannung wuchs bei allen Beteiligten. Auch wenn einige von uns leider immer noch einige Probleme mit dem Lernen des Textes hatten – und das, obwohl die Sprache doch viel eingängiger war als Shakespeare – zeigten sich Erfolge. Nun galt es natürlich auch, die passenden Kostüme und Requisiten zu besorgen, das schlichte Bühnenbild aufzubauen und die Technik einzustimmen.
Die Woche vor den Aufführungen war für uns recht vollgepackt. Es standen drei Proben an, eine davon die Generalprobe. Bei allen Terminen musste darauf geachtet werden, dass die Rollen gewechselt wurden, damit jeder Darsteller gleich viel üben konnte.
Die Generalprobe verlief nicht perfekt – unscheinbare sieben Seiten Text wurden übersprungen, was für den Verlauf des Stückes vielleicht nicht ganz so günstig ist. Aber die alten Theaterregeln besagen ja, dass eine Generalprobe schief gehen darf – nein, schief gehen muss – damit die Premiere gelingt.
Und so war es dann auch: Die Premiere und auch die zweite Vorstellung liefen wie geschmiert vor voll besetztem Publikum. Wir alle hatten viel Spaß auf der Bühne und konnten hinterher stolz auf uns sein, dass wir trotz aller Widrigkeiten zwei gute Aufführungen auf die Bühne gebracht haben. Solche Schwierigkeiten gehören eben auch zum Theaterleben dazu.

Herbst/Winter 2017
Und wie heißt es doch so schön?
“There’s no business like show business. “
Wir freuen uns bereits auf die neue „Acting Class“, die neuen Herausforderungen, die neuen Schauspielübungen, die neuen Aufführungen und den neuen Spaß.